picturesafe-Wissen:  Neue Informationsreihe für die Branche

picturesafe-Wissen:
Neue Informationsreihe für die Branche

Der Gedanke zu einer neuen Reihe innerhalb unseres Blogs ist während der Recherche zu anderen Themen entstanden. Da zeigte sich, dass Ratgeber und Informationen zum Prozess entweder sehr technisch/wissenschaftlich sind oder ganz kleinteilig für einzelne Geräte, Abläufe usw. Mit diesem Blog haben wir ja schon seit Mitte 2018 versucht, die Vielseitigkeit der Branche darzustellen – haben viele Facetten und auch das Umfeld aufgezeigt. Dabei haben wir stets darauf geachtet, dass sowohl Kollegen wie auch Kunden etwas mitnehmen können – bestenfalls neue Aspekte und neue Informationen kennen zu lernen.

In den nächsten Monaten wollen wir daher in mehreren Beiträgen dem gesamten Prozess vom Projektbeginn bis zum Ergebnis aufzeigen. Dabei geht es uns auch darum, den Workflow eines Projekts transparent zu machen und Einzelschritte genau zu beleuchten. Und so betrachten wir, auf welche Besonderheiten man achten muss. Oder was der Umgang mit historischen Vorlagen und Retrodigitalisaten bedingt.

In vier Abschnitten sollen grundsätzlich folgende Themen behandelt werden:Expertenwissen – Digitalisierung von Auftrag bis zum Digitalsat.

  1. Der Transport: Klingt vielleicht zunächst banal, aber ist elementar wichtig: Wie werden etwa hunderte Regalmeter historisch bedeutsamer Überlieferungen transportiert?  Welche Vorteile bringt ein hauseigener Transportdienst mit sich?
  2. Die Lagerung: Welche Vorgaben muss man beachten, wenn man fremdes Archiv- oder Bibliotheksgut lagert? Wie sieht es mit der DIN aus?
  3. Die Digitalisierung: Bestandsschonendes Scannen von Überlieferungen vom Jahr 1200 an aufwärts? Wie geht so etwa vonstatten? Und wir beantworten die Frage, warum letztendlich jedes Projekt ein Kompromiss ist.
  4. Das Postprocessing: OCR, HTR, Metadaten, xml. Wie können Dateien veredelt werden? Und warum macht man das so – und nicht anders?

Ab Februar werden wir also diese Fragen und Einzelaspekte erörtern und neben vorhandenem Wissen auch zusätzlich viel von unserer eigenen Erfahrung und dem gesammelten „picturesafe-Wissen“ dazu tun. Wenn Sie noch weitere Fragen haben, oder gar Ideen was noch dazu gehören sollte, dann freuen wir uns schon jetzt auf eine Nachricht an unser Team für Digitalisierung!

Fotos: pixabay / pexels

2020 – das Jahr der Digitalisierung und Archivierung

2020 – das Jahr der Digitalisierung und Archivierung

Schon seit Jahren ist unser Motto klar, es gilt stets eine vertrauensvolle und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden und der konsequente Einsatz modernster Hard- und Software für bestandsschonendes Arbeiten. Doch das ist kein Allgemeinplatz, sondern stets erkennbar in unserer Arbeit mit Bibliotheken, Archiven und Medien-Unternehmen.

Der digitale Wandel bedingt die Objekt-Digitalisierung zur Erzeugung hochwertiger Nutzungsvarianten, das war noch nie so deutlich wie im Jahr der Pandemie. Neue Formen des Zugangs und der Nutzung sind erkennbar wichtig geworden. Bestände und Archive müssen anders als vor Ort erreichbar sein. Kontaktlose Forschung und Nutzung sind in vieler Hinsicht grundlegend anders. Das setzt aber stets voraus, dass Unterlagen, Objekte etc. digital gut nutzbar vorhanden sind.

Die Zwangspausen der Bibliotheken, der Unternehmen und Archive sind denn auch eine Chance einen entscheidenden Schritt nach vorne zu gehen – und nicht in kleinen Inhouse-Projekten Objekte und Unterlagen zu digitalisieren, sondern im großen Maßstab ganze Bestände zu Digitalisaten zu wandeln.

Unternehmen und Institutionen haben erkannt, dass "Papier" nicht mehr zukunftsträchtig sind.

Hier bei picturesafe haben wir diese Bewegung schon lange gespürt und uns denn auch konsequent im Markt vorwärts bewegt. Langfristige Projekte – oft weit über zwölf Monate dauernd – haben uns veranlasst, unsere alten Büro- und Arbeitsflächen im Zooviertel Hannovers zu verlassen und große, weitläufige Räume in Hannover-Lahe zu beziehen.

Seit Juli 2020 können wir nun auf alle Anforderungen reagieren: Nicht nur auf die neuen, vielfältigen Aufgaben, sondern sind wir auch in der Lage, in Corona-/Covid-Zeiten entspannt und mit viel Platz zu arbeiten. Projekte können nahtlos fortgesetzt und sogar intensiver angegangen werden. Tatsächlich haben wir eine größere Anzahl an neuen Fachkräften ausgebildet, die uns helfen, den Ansturm zu bewältigen. Und Platz für neue, bereits optionierte Geräte und Scanner ist auch vorhanden.

Wir sind jedenfalls sicher, dass diese Welle nicht wieder abebben wird – viele Institutionen und Unternehmen haben in diesem Jahr 2020 erkannt, dass eine professionelle Digitalisierung Grundlage und Eckpfeiler ihrer zukünftigen Tätigkeit sein wird.

Foto: picturesafe / primestockphotograpy

Private Geschichte – barrierefrei und niederschwellig. Digitalisierung ebnet den Weg

Private Geschichte – barrierefrei und niederschwellig. Digitalisierung ebnet den Weg

Geschichte besteht nicht nur aus Archiven und Bibliotheken, Geschichte ist mehr. Private Erinnerungen erschließen neue Einsichten – stellen Verbindungen her und verbessern das Verständnis für ein Miteinander. Politik und gesellschaftliche Entwicklung hatten in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten eher etwas mit Herrschaftswissen zu tun. Die Digitalisierung ändert dies auf radikale Weise.

Ein gutes, anschauliches Beispiel ist die amerikanische Plattform Historypin. Hier werden Archive angelegt, die von Privatpersonen genauso wie von Institutionen jeglicher Art betreut und genutzt werden. Mehr als 4.000 Kultur-Organisationen („cultural heritage organisations“) nutzen bis jetzt bereits die Werkzeuge und Methoden der amerikanischen Plattform. Sie wenden sich an Historypin, damit diese sie dabei unterstützen, kommunale Archive einzubinden und deren Sammlungen mit den Geschichten der lokalen Geschichte zu verbinden. Die Nutzung steht aber auch ganz klar Privatpersonen zur Verfügung, denn deren Sammlungen und Dokumente sind im Zweifel von gleich Wichtigkeit.

Eines der Spezialgebiete von Historypin sind durchaus größer angelegte, durchfinanzierte Projekte, die ein messbares Engagement auf die nächste Ebene bringen. Auch wenn sie je nach der technischen Entwicklung, der erforderlichen Ausbildung und anderen Faktoren variieren – es geht der Plattform immer um eine tiefgreifende soziale Wirkung. Hier sind denn auch professionelle Digitalisierungen wie sie PictureSafe betreut und ein solches, offenes Konstrukt durchaus dicht beieinander – ohne aber ernsthaft in Konkurrenz zu treten. Und man muss bei einem solchen Vergleich natürlich auch noch die Bedingungen, die Voraussetzungen beachten, die in USA und Mitteleuropa doch deutlich unterschiedlich sind.

Das Motto der Plattform lautet „People come together to share photos, stories and memories with each other, and the world“ und zeigt damit den Ansatz jedenfalls recht deutlich. Es geht nicht darum sich in Konkurrenz zu professionellen Dienstleistern zu begeben, sondern möglichst niederschwellig Geschichte zu schreiben. Historypin ist ein digitales, nutzergeneriertes Archiv mit historischen Fotos, Videos, Tonaufnahmen und persönlichen Erinnerungen.

Ein gutes Beispiel für die Bedeutung ist übrigens das Projekt „Moving Beyond Colonial Models of Digital Memory“. Das zeigt, dass Kenntnisse von Sprache und Kultur nur Bedeutung innerhalb des (virtuellen) Raumes von Geschichte und Geschichten und der physischen Materialien eines indigenen Volkes haben – und dies auch nur dann, wenn es eine nächste Generation gibt, der sie beigebracht werden kann. Ein Generation, die sich ihrer Geschichte – wie alle zukünftigen – per digitalen Medien annehmen wird.

Foto: Screenshot 23.11.2020

Kriterien für Großformatscanner um ungebundene Dokumente und großformatige Werke zu digitalisieren

Kriterien für Großformatscanner um ungebundene Dokumente und großformatige Werke zu digitalisieren

Landkarten, Gemälde oder Pläne – große Objekte also, deren Digitalisierung nicht ohne ist. Sowohl für einen möglichen Dienstleister wie auch beim Erwerb eines A1+/A00-Scanner gilt es etliche Kriterien zu berücksichtigen, damit zukünftige Digitalisate die bestmögliche Qualität haben. Das geht schon mal bei der Aufgabenstellung los: DPI sind per se kein Qualitätsmerkmal – wichtiger ist darauf zu achten wie scharf der Punkt ist, ob die Farben stimmen und die genannten DPI echt oder nur gerechnet sind. Kurz, Großformatscanner und die Arbeit damit braucht klare Grundlagen.

Auch die Ausleuchtung der zu scannenden Objekte sind elementar. So werden meist LED genutzt, da diese weder ultraviolette noch infrarote Strahlen emittieren. Idealerweise sind LED-Rampen (auf den die Objekte lose oder fixiert liegen) neigbar, vor allem, um den Lichteinfallswinkel auf das Dokument oder das Werk verändern zu können und so Strukturdetails noch besser zu betonen. Auch eine individuell regelbare Lichtintensität ist wichtig, da sie für bessere, schattenfreie Scanresultate sorgen kann.

Welche Scantechnik ist die beste für Großformatscanner? Zwei Verfahren sind dabei relevant: Geräte mit Flächensensor und solche mit Zeilenscanner. Sind Bedienung, Platzbedarf und Nutzungsdauer (Haltbarkeit) weitgehend identisch, so gibt es doch bei drei Kriterien erkennbare Unterschiede. Scanner mit Flächensensor sind bei der Anschaffung zwar preislich günstiger und schneller beim Scanvorgang, haben aber leider Minuspunkte bei der Qualität des späteren Digitalisat. Zeilenscanner sind teurer, auch langsamer bei Scannen, punkten aber ganz klar bei der Qualität von Großformaten – was beim professionellen Einsatz letztlich das ausschlaggebende Kriterium sein kann. PictureSafe präferiert momentan noch einen A1-Scanner mit Flächensensor. Da unser Portfolio an Scannern aber permanent an die Bedürfnisse der zu digitalisierenden Vorlagen angepasst wird … steht vielleicht demnächst auch ein Zeilenscanner ins Haus.

Was müssen Dienstleister für Großformat-Digitalisate können?

Wie schaut es bei der Auswahl eines Dienstleister aus, wenn man Großformate nicht selbst verarbeiten kann oder will? Ein Großformat-Scanner ist im Zweifel eine nicht geringe Investition – sodass eine externe Vergabe sich durchaus rechnet, zumal dort Leute arbeiten, die sich bereits bestens mit dem Thema auskennen. Eine gute Beratung durch Experten ist dabei sicherlich die beste Investition: Man sollte sich sich Zeit nehmen für Tests, für Referenzbesuche und Nachfragen. Anbieter besuchen und sich den Scanner vorführen lassen, sollte bei einem professionellen Anbieter kein Thema sein. Alle Möglichkeiten, die für das eigene Digitalisierungsvorhaben wichtig sein könnten sollten vorab geprüft und getestet werden.

Am Ende geht es um klare Ergebnisse ohne einen persönlichen Ermessensspielraum. Als Auftraggeber entscheidet man sich für einen Standard (Metamorfoze, FADGI, ISO 19264-1), der zu den zu digitalisierten Objekten passt und die richtige Kombination aus Auflösung und Format. Ein dazu gestelltes, gutes Briefing für den Dienstleister ist zugleich eine sichere Basis für das entstehende Projekt.

P.S. Vor allem im Kulturbereich ist Digitalisierung zunehmend ein großes Thema. Dass dabei noch viel Informationsbedarf besteht, zeigt auch die Seminarreihe des Bielefelder Spezialisten Walter Nagel. Vom 5. bis 30. Oktober 2020 fand dort das Web-Event „Digitalisierungsoffensive“ für Bibliotheken, Archive und Museen statt. Weit über 1.000 Teilnehmer hatten am Ende daran teilgenommen.

Foto: Walter Nagel GmbH & Co. KG

Objekte für die Forschung: Was Datenbanken mit digitalisierten Elementen leisten können

Objekte für die Forschung: Was Datenbanken mit digitalisierten Elementen leisten können

In einer Zeit, in der eine umfangreiche Digitalisierung zur globalen Benchmark für die Forschung wird, hat die Friedrich-Alexander Universität (Erlangen / Nürnberg) nach mehr als 275 Jahren das Projekt „Objekte im Netz“ gestartet, deren Sammlungen systematisch zu erfassen. Mit der Erschließungs- und Digitalisierungsstrategie verfolgt die Universität ein großes Ziel: Wissen über ihre mehr als 25 Sammlungen bereitzustellen und die digitalen Objektbestände miteinander zu vernetzen.  Doch natürlich sind sie damit nicht allein. Tatsächlich werden sie vermutlich in gar nicht so weiter Zukunft eine unter vielen sein.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Objekte im Netz“ entwickelt das Germanische Nationalmuseum (GNM) zusammen mit der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) eine gemeinsame Erschließungs- und Digitalisierungsstrategie für die Sammlungen der FAU, die auch auf andere universitäre Sammlungen übertragbar sein soll. Das dabei entstehende Wissen fließt dann in die Lehre ein.

Als technische Grundlage des Vorhabens dient die virtuelle Forschungsumgebung WissKI (Wissenschaftliche Kommunikations-Infrastruktur), die in Zukunft im Hinblick auf die spezifischen Anforderungen und Eigenarten universitärer Sammlungen weiter entwickeln werden soll. Als Ergebnis ist geplant ein allgemeines Konzept zur digitalen Dokumentation universitärer Objektbestände entstehen zu lassen und eine dazu passende Software zur Verfügung zu stellen.

Digitalisate in ForschungsdatenbankenWas die University of Oxford gleich und doch anders macht

Tatsächlich sind die Herangehensweisen der Institutionen höchst unterschiedlich – was einer wissenschaftlich möglicherweise durchaus gewünschten Gleichförmigkeit in der Darstellung und im Konzept natürlich entgegen steht. Ein solche, ganz anders angegangene Datenbank ist „Cabinet“ der britischen Universität Oxford. Und doch lässt sich ein grundsätzliches, ein den Forschungs-Stätten gemeinsames Prinzip erkennen. Die Universität Oxford verfügt über außergewöhnliche Bibliotheks- und Museumssammlungen, und das Projekt zielt darauf ab, diese Ressourcen für Lehre und Forschung durch Digitalisierung (sowohl 2D als auch 3D) zugänglicher zu machen und diese Ressourcen in einer einzigen intuitiven und interaktiven Schnittstelle zusammenzuführen. Das Hauptziel besteht darin, Bilder und Objekte aus Sammlungen in Oxford und anderswo nahtlos in die Lehre und das Lernen einzubetten, vom Tutorial bis zum Hörsaal – und so die für Studenten und Tutoren verfügbaren Quellen zu bereichern. Und an dieser Stelle treffen sich die Konzepte der deutschen und britischen Universität ganz deutlich erkennbar.

Die Cabinet-Plattform bietet Werkzeuge für die Erkundung, Kommentierung und Diskussion von Sammlungen aus Oxford und auch aus anderen Orten und Ländern. Sie wurde von Anfang an für die nahtlose Zusammenarbeit mit mobilen Geräten konzipiert und kann zum Zoomen, Drehen, Kommentieren und Diskutieren von Quellen verwendet werden.

Ein Hauptmerkmal von Cabinet ist die Fähigkeit, vollfarbige 3D-Modelle von Objekten zu untersuchen, die von winzigen Artefakten von wenigen Zentimetern bis hin zu ganzen Monumenten aus der Landschaft von Oxford reichen.

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